Otto Harder

Otto "Tull" Harder

* 25.11.1892 in Braunschweig

† 04.03.1956 in Hamburg


Mittelstürmer 1912-1931

378 Pflichtspieltore


Erfolge 1912-1931

Deutscher Meister 1922, 1923, 1928

Deutscher Vizemeister 1924

Norddeutscher Meister:

1919, 1921, 1922, 1923, 1924, 1925, 1928, 1929

Norddeutscher Pokalsieger 1926

(Nordd. Auswahl) Bundespokal 1925


DFB

15 Länderspiele/14 Tore


Otto "Tull" Harder, der "König der Mittelstürmer" war einer der größten Fußballspieler seiner Zeit und einer der ersten Fußballidole im deutschen Fußball. Seine Stärke waren seine berühmten Alleingänge. "Wenn spielt der Harder Tull, dann heißt es drei zu null" sang man in Hamburg. Während er bereits Anfang 1912 für kurze Zeit beim Hamburger FC88 (einer der 3 Gründungsvereine des heutigen HSV) spielte, wechselte er zur Saison 1912/13 endgültig von Eintracht Braunschweig zum HFC88.

Als sich 1919 der SC Germania von 1887, Hamburger FC 1888 und Falke 06 zum Hamburger SV zusammenschließen, wurde er zu einem der größten und erfolgreichsten Stürmer in der Geschichte des HSV. Bis 1931 wurde er 8x Norddeutscher Meister und 1926 Norddeutscher Pokalsieger. Er gewann mit dem HSV 1922 erstmals die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, 1923 und 1928 folgten weitere Meistertitel. Während seiner Karriere beim HSV schoss er unglaubliche 387 Tore und ist damit nach Uwe Seeler der erfolgreichste Torschütze aller Zeiten beim HSV. 1928, im Alter von 36 Jahren schoss Harder 12 Tore im Ligaspiel (NFV Alsterkreis) gegen den Wandsbeker FC und stellte damit einen Rekord auf. 1929 gewann der HSV 4:1 gegen Penarol Montevideo, dem Olympiasieger von 1924, "Tull" Harder schoss alle 4 Tore. Anfang 1931 wechselte er für 2 Jahre zum SC Victoria Hamburg, spielte danach noch kurz für den VFB Kiel um dann endgültig seine erfolgreiche Karriere zu beenden.

Zwischen 1914 und 1926 wurde Otto Harder 15 mal in die Nationalmannschaft berufen und erzielte dabei 14 Tore. Alleine in seinen letzten 5 Länderspielen schoss er als Kapitän 10 Tore. Obwohl er weiterhin erfolgreich war und mit dem HSV auch 1928 die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gewann, berücksichtigte ihn Reichstrainer Otto Nerz nicht mehr. Er nahm ihn auch nicht mit zu den Olympischen Spielen 1928, die damals noch den Status einer Weltmeisterschaft hatten.

Otto Harder wurde 1932 Mitglied der NSDAP und trat 1933 der SS bei. Während des 2. Weltkriegs war er als Wachmann, Lagerverwalter und Lagerkommandant in den KZ Sachsenhausen und Neuengamme tätig.. Nach dem Krieg wurde er von einem britischen Militärgericht als Kriegsverbrecher zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, die Strafe wurde jedoch später auf 10 Jahre Haft reduziert. (Anm.: Im HSV-Museum gab es bereits eine Austellung zu diesem Thema "Der HSV in der NS-Zeit") Bereits 1951 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen und wurde bei seiner Rückkehr zum Rothenbaum vom HSV und seinen Anhängern gefeiert.

Otto Harder ist am 4. März 1956 im Alter von 63 Jahren verstorben, zahlreiche Vereinsvertreter des HSV nahmen an der Beerdigung teil und die Jugendspieler bildeten eine Ehrenwache.


"Gerade heute im Zeitalter des WM-Systems weiß man, daß es mit Laufen und Schießen nicht mehr ganz getan ist. Harder war ein Techniker erster Klasse, aber sein Stil brauchte die Technik, die sich namentlich im ungeheuer sicheren Ballführen, klarem Schießen und Köpfen auswirkte, nicht zum Schnörkeln. Sie war ihm zur Voraussetzung seiner ureigensten Art mit einer beispiellosen Sicherheit und Kraft, mit einem selten gesehenen explosiven Start auf dem kürzesten Weg auf das Tor zuzusteuern, gegeben. "Tull" Harder zerbrach sich nicht den Kopf, wie man eine Aktion anlegen konnte, sondern er handelte sofort. Adolf Jäger führte seine Elf mit Raffinesse, wie Schachfiguren, Harder dagegen bot, so schnell wie es ging, Schach!"

-Friedebert Becker, Kicker Sportmagazin-